Tag 38 - wieder in Argentinien

Wir haben gut in unserem geschmackvollen kleinen Hostal geschlafen und Victoria hat ein gutes Frühstück bereitet. Eine interessante und abwechslungsreiche Strecke überrascht uns auf dem Weg zur Ruta 40. Wir fahren an den ausgewaschenen Ufern des Lago Questa del Viento entlang und durchqueren die Ausläufer der Anden durch enge Schluchten.

Danach folgt wieder Kilometerfressen auf langen ziemlich eintönigen Strecken. Das bedeutet dann manchmal: 30 km geradeaus, eine 90° Kurve, wieder 20 km geradeaus, durch ein paar Häuser, wieder 20 km bis zu einer Brücke über einen ausgetrockneten Fluss. Die Abwechslung liegt wenn im Detail. Weite Aussichten, farbiges Gestein und Sand in verschiedenen Schattierungen. Manchmal etwas Grün und Tiere, dort wo Flüsse etwas Wasser hin transportiert haben.

Wir machen verschiedene Versuche in den kleinen Orten, eine Unterkunft zu finden. Aber wir finden nichts, was auch nur einigermaßen attraktiv wäre. Schließlich, nach 560 km sind wir in Belén. Die Stadt ist richtig mit Leben gefüllt und auch ein Hotel, deutlich über dem Durchschnitt hat noch Platz für uns. Auf dem großen, abgeschlossenen Parkplatz stehen noch mehr Motorräder einer organisierten Tour. Auch ein Restaurant ist angegliedert. Für das entscheiden wir uns schließlich, nach dem sich auf einem Abendspaziergang auch keine bessere Alternative  finden ließ.

Tag 39

Gut erholt und gestärkt machen wir uns auf eine Überschaubare Etappe. Wir haben noch einen Tipp bekommen, nach 50 km von der Ruta 40, links auf die Berge zu abzuzweigen. Das machen wir und sind von dem folgenden Tal, seinen Felsformationen begeistert. Hier gäbe es noch mehr zu entdecken, aber nach 75 km drehen wir um und machen in Larga Baranca in einer interessanten Possada Mittagsrast. Wir haben noch 240 km bis Cafayate, einem unserer Wunsch- und Fixorte der Tour. Hier gefällt es uns so gut, dass wir nun zum dritten Mal hier im Hostal „El Hospedaje“ ein Zimmer gebucht haben. Unterwegs ziehen langsam beunruhigende dunkle Wolken auf, an einigen Stellen hat es wohl schon geregnet und die ersten Bandenas, Furten durch, im Idealfall trockenen Bächen, sind zu queren. Aber außer einem etwas mulmigen Gefühl, ist das noch kein Problem. 

Beim El Hospedaje darf das Motorrad hinter die dicken Mauern und wir bekommen ein schönes, uriges Zimmer, dass von Bougainvilleas geschmückten Innenhof erreicht wird. Vorausgesetzt, man zieht rechtzeitig den Kopf beim Betreten ein… Hier bleiben wir zwei Nächte.

Tag 40

Endlich wieder ein Ruhetag an dem das  Motorrad stehen bleibt. Der Frühstücksraum ist die alte Kneipe/Possada, die zum Hospedja dazu gehörte. Es ist eingerichtet wie ein kleines Museum, das von alten Zeiten des Ortes berichtet. Im Gegensatz zu unseren früheren Aufenthalten hier, wird es jetzt nur noch für die Übernachtungsgäste genutzt. Die Betreiber sind auch alt geworden und machen nicht mehr den fittesten Eindruck. 

Wir brechen zu Fuß auf zur Erkundungsrunde durch die Stadt. Dabei entdecken wir das neue Weinmuseum, das wir dann auch besichtigen. Es ist interaktiv aufgebaut und stellt sehr schön den Weinbau speziell hier in dieser Gegend da. Man geht auf das besondere Terroir, die Weine und die Entwicklung des Weinbaus hier seit dem Pflanzen der ersten Weinstöcke im 16. Jahrhundert durch die ersten Siedler und Missionare. Heute zählen die Weine aus dem Calchaquis Tal zu den berühmtesten der Welt. Dazu kommt die Höhenlage, die mit 1.600 bis über 2.000 Metern Höhe von keinem anderen Weinbaugebiet der Welt getoppt wird. Wir haben den Rundgang genossen und sind dann hungrig zur Placa des Armas gegangen um dort eines der vielen Restaurants zu besuchen. Den  Nachmittag haben wir „zuhause“ verbracht. Als wir zum Abendessen wieder ins Zentrum gehen ist der Himmel schon zugezogen. Es dauert nicht lange, dann prasseln die ersten dicken Tropfen auf die Markise über unserem Platz im Restaurant. Wir schieben den Rückweg zum Hostal immer weiter hinaus und hoffen, dass es bald wieder aufhört zu regnen. Wir bummeln noch durch den Kunsthandwerkermarkt, der notdürftig gegen die Fluten von oben gesichert ist. In den Gängen und unter den Tischen fließen bald kleine Bäche. Vor dem Markt auf der Straße haben sich inzwischen breite Bäche gebildet, die man nur seltenen trocken überqueren konnte. Einige Straßen sind komplett geflutet. Wir sind sowieso nass. 

Was uns Sorgen bereitet ist die Weiterfahrt durch das Calchaquis Tal. Wenn die Bandenas überflutet und Stellen verschlammt sind, wollen wir uns diese, auch ohne Regen schon abenteuerliche Strecke, nicht antun. Andererseits ist der Abschnitt schon etwas, worauf wir uns sehr gefreut haben. Naja, erstmal drüber schlafen und der Regen hört ja auch schon wieder auf.

Tag 41

Sonnenschein begrüßt uns und das beruhigt doch für die kommende Etappe nach Cachi. Wir gehen noch zur Touristik Info und fragen nach dem Straßenzustand. Aber auch da kann man uns beruhigen. Die Wetterfront sei südlich durchgezogen und Richtung Norden ist nicht mit Schwierigkeiten zu rechnen. Also machen wir uns auf. Wie meistens beginnt die Tour auf gutem Asphalt, aber hat man mal die Gemeindegrenze  hinter sich gelassen ändert sich der Zustand schnell. Die ersten sandigen Trockenflussbetten von ordentlicher Breite sind zu durchfahren. Aber die Strecke ist auch mega schön. Inzwischen hat der Weg nur noch die Breite eines Fahrzeuges und führt abenteuerlich auf Hügel rauf, um Felsen herum und durch Schluchten, die so eng wie der Weg sind. Herrlich Ausblicke warten hinter jeder Kurve. 

Nach ca. 100 km kommt der mini Ort Molinos. In einem alten Gutshof liegt eine Posada. Unter Schattenspendenden Bäumen können wir uns erholen. Kurz nach Molinos wird ein Fluss auf einer schmalen Brücke überquert und sorgt noch einmal für Nervenkitzel. Dann ändert sich auch die Landschaft. Aus den schroffen, felsigen Schluchten ist ein weites feuchtes Tal mit Landwirtschaft geworden. Die Straße windet sich weiter am Berghang entlang und musste sich offenbar zwischen kleinen Sumpfgebieten und den steilen Bergausläufern entscheiden. 

Für Cachi hatten wir noch keine Buchung vorgenommen, falls die Strecke uns doch noch zur Planänderung gezwungen hätte. Im 2. Anlauf klappt es schon und wir bekommen ein schönes Hostal, zu dem auch ein paar Häuser weiter ein Restaurant gehört. Am Nachmittag und Abend erkunden wir noch ein bisschen den schönen Ort. 

Die gesamte Kirchendecke und der Beichtstuhl sind aus Kakteenholz gebaut.

Tag 42

Heute wartet eine neue Strecke auf uns. Wir wollen diesmal nicht über den Abre del Acay fahren sondern wir nehmen die 33, die nach Salta führt. Von da aus heißt das Ziel Purmamaca. Anfangs gibt es noch ein paar Rebflächen aber mit stetigem Steigen wird die Landschaft einsamer, kahler und die ersten Vicunas – kleine Lamas – sind rechts und links des Weges zu entdecken. An der Passhöhe der Cuesta del Obispo, auf 3.348 m Höhe kommen wir in die Wolken. Regen fällt und macht die Abfahrt rutschig. Dazu wälzt sich Schwerverkehr die unbefestigte Straße hoch, die dadurch entsprechend zerfahren ist. Im weiteren Verlauf kommen auch noch drei Furte durch Gebirgsbäche. Die haben ordentlich Strömung und gehen neben der Furt gleich in Wasserfälle über. Mit soviel Abenteuer hatten wir gar nicht gerechnet. 

Am Talgrund angekommen ist erstmal eine Mittagsrast nötig. Auch nach der Pause fällt noch leichter Regen. Die Straße wird aber besser und wir kommen auf Salta zu. Rundherum herrscht viel Verkehr, der sich erst wieder auf der 9 Richtung Bolivien bessert. Hier sind vor allem die schweren Trucks und Tankwagen Richtung Norden unterwegs. Je weiter wir kommen, desto besser wird das Wetter. In Purmamaca scheint die Sonne und der Ort ist heute, am Sonntag fest in Touri Hand. Das verwandelt das an sich schöne Flair in einen Rummelplatz. 

Wir haben ein schönes Zimmer gefunden, dass wir zwei Nächte  bewohnen wollen. Vom Bett können wir in die bunten Berge schauen.

Tag 43

Wir fahren ein paar Kilometer in Richtung der bolivianischen Grenze zum Tanken. Auch das Mopped bekommt eine Wäsche und unterwegs bewundern wir die Humahuaca Schlucht. Das besondere ist die Färbung des Gesteins, ähnlich wie in Purmamaca. Zurück in unserem Ort spazieren wir noch etwas durch die Gassen und finden dabei noch ein schönes Lokal, abseits vom Touristenrummel und damit auch zu normalen Preisen. Wir planen noch Details für die Rückfahrt, denn die Beginnt definitiv morgen. 2.300 km bis Londrina in Brasilien…

Tag 44

Von Purmamaca  fahren wir zurück nach Salta. Die Fahrt beginnt mit  Sonnenschein und im Tal des Rio Grande gibt es noch viel zu gucken. Dann kommt wieder die nervige, weil mit viel Verkehr, Baustellen und Ampeln gespickte Umfahrung Saltas. Nachdem das bewältigt ist wird der Verkehr dünner, aber wir fahren auf eine schwarze Wand am Himmel zu. Vorläufig ist die noch in weiter Ferne, aber wir müssen ja auch noch weit fahren. Kurz hinter Rio Piedras verlassen wir die 9 und wechseln auf ein unbedeutend aussehendes Sträßchen, die uns die nächsten 700 km nach Corrientes führen soll. Aber nach ca. 5 km ist erstmal Schluss. Eine Lange Schlange von Autos, LKW und Moppeds steht da. Wir tasten uns bis vorne vor und können jetzt sehen, dass sich ein breiter Fluss mit unbekannter Tiefe über die Straße wälzt. Hier war vorher nicht mal ein Fluss, aber die Schwarzen Wolken im Westen haben sich irgendwo entladen und das mitgebrachte Wasser muss irgendwo hin. Wie die anderen stehen und beobachten wir. Nach einiger Zeit traut sich der erste LKW auf der Gegenseite an die Durchquerung. Mit dicker Bugwelle und achstief im Wasser kommt er langsam auf unserer Seite an. Nach weiteren Minuten probieren es auch SUV und Pickups, teilweise in dem sie die Verdrängung der vor ihnen fahrenden LKW nutzen. Wir beraten, auch mit den inzwischen aufgetauchten Polizisten. Die wollen uns Mut machen. Das Problem bei solchen Manövern ist ja nicht durch das Wasser zu fahren. Aber man weiß nicht welcher Löcher schon vorher in der Straßen waren und was die Fluten noch angeschwemmt haben. Mir ist es zu riskant, hier noch das Motorrad zu versenken. 

Wir fragen die Polizisten nach Alternativen. Sie zeichnen uns eine kleine Skizze, wie wir ein Stück zurück fahren können und dann über eine Nebenstrecke den problematischen Bereich umfahren können. Die Strecke soll frei sein – aber auch 90 km Umweg bedeuten.

Wir machen uns also auf den Weg und sind überrascht, dass wir hier auf einer recht guten Straße zügig vorwärts kommen. Zwei weitere Motorräder mit der Zulassung in Paraguay folgen uns. In Las Lajitas haben wir es fast geschafft. Eine große Tank- und Rastanlage lädt ein, die Mittagspause nachzuholen. Danach kommen noch zwei Baustellenabschnitte mit verschlammten Bereichen und Riesenpfützen, aber das bekommen wir noch hin. 200 km weiter ist San Quemado unser Etappenziel. 

Wir haben das Motel One gebucht. Dabei steht das „One“ eher für „das einzige“ und nicht für „das beste“… Aber wir haben ein Dach über dem Kopf und das Mopped steht vor der Tür unter einem löchrigen Vordach. Es dauert nicht lange, dann schauen wir von dort dem sich entladenden Gewitter zu.

Tag 45

Wir sind kurz nach 7:00 aufgestanden und verschwinden schnell um noch die kühleren Stunden zu nutzen. Frühstück gibt es erst an der YPF-Tankstelle. Aber schnell geht das auch nicht, denn es ist Rush Hour und das heißt hier, mindestens 20 Moppeds wollen mit einem oder 1,5 Liter Sprit für den Weg zur Arbeit betankt werden. Dann geht es im wahrsten Sinn des Wortes ab durch die Pampa. In Pampa del Inferno machen wir Mittagsrast. Wie soll es anders sein: An einer YPF. Bald kennen wir wohl jede Tankstelle im Land. Kaum haben wir Platz genommen, rollen auch die beiden Motorräder aus Paraguay auf den Parkplatz. Wir erfahren, dass Vater und Sohn, ursprünglich Holländer, jährlich eine gemeinsame Motorradtour machen. In diesem Jahr hatten Sie 2 Wochen Zeit und sind bis Bariloche gefahren. Londrina kennt der Vater auch gut, da sitzt sein Motorrad Händler. Eine Strecke ca. 800 km. Südamerikanische Verhältnisse eben. 

Gegen 16:00 Uhr rollen wir in Corrientes über die Parana Brücke. In der schönen Altstadt liegt unser schickes Hotel mit Parkplatz im Hof und Pool mit Aussicht auf den Parana auf dem Dach. Das ist doch der perfekte Ausgleich für die letzte Nacht. Zum Abendessen gehen wir an den Fluss und bekommen einen Tisch mit wunderschöner Aussicht auf den träge dahinfließenden Parana auf dem Schiffe und große Schubverbände unterwegs sind. Nach einem Abendspaziergang am Ufer würden wir am liebsten noch hier bleiben. Aber morgen müssen wir es bis zur brasilianischen Grenze schaffen.

Tag 46

Nach einer Runde durch Corrientes (der Name rührt übrigens vom Begriff „Stromschnellen“ her) verlassen wir die Stadt durch die Peripherie. Die Kurz vor der vorgesehenen Mittagsrast, klappt mir plötzlich das Windschild entgegen. Bei der Rast wird erstmal das Windschild provisorisch repariert. Die Achse für die Neigungsverstellung ist gebrochen, aber ich habe ja genügend Kabelbinder eingepackt…

Auch für unsere letzte Nacht haben wir Glück mit unserem Hotel. Sehr hübsch und das Motorrad darf im Innenhof übernachten. Zum Abendessen können wir auf der Terrasse der Pizzeria sitzen und dem Wetterleuchten über dem Parana-Tal zuschauen.

Tag 47 - 49 Brasilien und nach Hause

Wir sind die ersten beim Frühstück und das Motorrad ist schon gepackt. 140 km bis zum Zoll in Dionisio Cerqueira. Die Strecke führt uns durch Teeplantagen, über Hügel und wir sind überrascht vom Abwechslungsreichtum. Die argentinische Ausgangsabfertigung geht schnell von statten, der brasilianische Zoll ist auch schnell erledigt, aber die Immigration muss in der Stadt erstmal gefunden werden. Nach dem üblichen Kampf mit der Immigration App, geht es dann auch zügig zurück auf die Landstraße. Es liegen noch 550 km vor uns. Anfangs windet sich die kleine Strecke durch die Landschaft, was eigentlich sehr schön wäre. Leider herrscht viel Verkehr auf der Route, die vom Grenzübergang kommt. Wenig Überholmöglichkeiten lassen uns nicht wirklich vorwärts kommen. Ab Cascavel bekommen wir eine Schnellstraße unter die Räder. Ab Maringa wird es noch einmal zäh und die Kamikaze Fahrer nehmen zu. Um 18:30 haben wir es geschafft. Die Pförtner von Peters Wohnsiedlung sind schon instruiert und so öffnet sich gleich das Tor und wir werden durchgewinkt.

Für die letzten beiden Nächte dürfen wir noch einmal Celeste und Peters Gastfreundschaft genießen. Wir haben einen Tag um auszuschlafen und es gemütlich angehen zu lassen. Die Gepäck wird sortiert und umgepackt, Wäsche gewaschen und am Abend sitzen wir noch in der Wohngemeinschaft zusammen, Food Trucks sind gekommen und die Nachbarschaft sitzt auf Bierbänken zusammen, während die Kinder auf dem Spielplatz unterwegs sind. Eine schöne Atmosphäre hier in der Gemeinschaft.

Am Nachmittag des Folgetages geht unser Flug. Gegen 16:00 bringt Peter uns zu unserem Flug am Airport von Londrina. Über Sao Paulo geht dann unser Flug nach Frankfurt. Noch den Mietwagen abholen und am 250 km nach Hause fahren – ein Klacks.