26.11.2024, Dienstag, 190 km bis Chitimba

Heute haben wir nur 190 km entlang des Malawi See vor uns. Eigentlich unspektakulär, wäre da nicht der Grenzübertritt nach Malawi und die schlechte Wirtschaftslage, die sich in schlechter Versorgung widerspiegelt. Die erste Vorsorgemaßnahme ist, noch vor der Grenze voll zu tanken. Auch nicht an den allerletzten Tankstellen, die könnten schon leer gekauft sein, rät uns unser Guide. Mangels Devisen zum Einkauf von Treibstoff herrscht seit Wochen Benzinknappheit. Josef hat die Tanks des Truck sowohl mit Diesel als auch mit Sprit für die Motorräder befüllt. Aber auch diese Menge ist natürlich begrenzt.

Als wir auf die Grenze zu rollen, sind die ersten Anzeichen eine ganze Horde von Geldtauscher, die uns umringen und mit dicken Bündeln malawischer Kwacha wedeln. 5 € entsprechen mehr als 9.500 MWK. Na gut, etwas Cash kann nicht schaden, 10 – 20 € tauscht jeder von uns. Dann heißt es aber die lästigen Händler abwehren. Die Ausreise erfolgt in einem modernen Gebäude; dort gibt es den ersten Drehstuhl der Reise für Siggi als Transportmittel, und es geht auch mit einer Stunde recht zügig. Wenn das so weiter geht, dann ist ja alles halb so schlimm. Also wieder auf die Motorräder und ein paar hundert Meter weiter zur Einreise nach Malawi. Gleich werden die Bedingungen anders. Zwei ausgefahrene Fahrspuren führen unter einem Abfertigungsdach hindurch, dahinter ist kaum Platz für alle Motorräder und den Truck. In einem alten Backsteinbau hat das Immigration Office seinen Platz und vor dem Schalter ist nicht genügend Platz für alle.

Zumindest ein schattiges Plätzchen zum Sitzen
Zumindest ein schattiges Plätzchen zum Sitzen
nein, das im Hintergrund ist kein Metallschrott, sondern neue Fahrräder.
nein, das im Hintergrund ist kein Metallschrott, sondern neue Fahrräder.

Pässe werden gestempelt, die Carnets de Passage eingesammelt. Straßen-, Einreise und CO2 Gebühren erhoben, bezahlt und die Quittung wieder vorgelegt. Sind wir jetzt durch? Nein, die Carnets fehlen noch. Wir warten draußen unter dem Schatten spendenden Dach, auf Mäuerchen, im Staub den die durchratternden, ausreisenden LKW aufwirbeln. Nichts tut sich. Wir beobachten die Straßenverkäuferinnen mit ihren Körben, Eimern und Schüsseln, in denen sie verschiedenes Obst auf dem Kopf balancieren und zum Verkauf anbieten. Je länger wir warten, umso mehr lassen auch wir uns mit Bananen, Ananasstücken und Getränken bei 36°C versorgen.

1. Sogar ein Röntgen-Mobil ist vorhanden. 2. Bremsen werden völlig überbewertet. 3. Schwertransport 

4. Getreide wird auf der Straße getrocknet.

 

Nach drei Stunden erhält jeder sein Carnet zurück, ein rostiges Gatter öffnet sich quietschend und wir dürfen einreisen. Upps, es gibt etwas, das sich Asphaltstraße nennt. Aber wir müssen höllisch aufpassen. Badewannen große Schlaglöcher reihen sich aneinander. Manchmal kann ich von der linken zur rechten Straßenseite kreuzen, aber manchmal erwischt man dann doch eines, weil auch nicht mehr genug Restasphalt vorhanden ist. Auch das wäre nicht so schlimm, wären manche Löcher nicht auch noch Treppenstufen tief. Die Schläge sind auch für Siggis gebrochenen Fuß nicht angenehm.

Die Straßen werden vielseitig genutzt...

Bevor wir das wunderschöne Chitimba Camp am Seeufer erreichen, eine letzte Sonderprüfung: 2 tief versandete Spuren führen ca. 500 m zum Camp. Nein, die werde ich nicht mit Siggi und dem Risiko für Siggis angeschlagenen Fuß fahren. Alleine komme ich gut durch und bitte Josef, mit dem Truck Taxi zu spielen. Das macht er natürlich, und ich fahre auf der Trittstufe mit zurück, bis zur Stelle, an der Siggi umringt von Kindern im Sand sitzt. Dann wieder vorwärts ins Camp, und wir können uns erholen. 

 

 

 27.11.2024, Mittwoch, 290 km bis Luwawa

Heute wollen wir bis zum Luwawa Forest Camp, 15 km abseits der Piste. Und dieses Stück wird ungemütlich weil schlammig, wenn es geregnet hat. Regen ist vorerst kein Thema. Aber bevor es losgeht, stellen wir uns alle noch am Truck an und bekommen ca. 7 Liter Sprit, um bequem das nächste Ziel und danach hoffentlich eine Tankstelle zu erreichen. 

Wir vermeiden die schöne aber anspruchsvolle Strecke zur alten Missionarsstation Livingstonia hoch oben auf dem Bergplateau über dem Malawisee. Wir bleiben erstmal in Seenähe, um dann ebenfalls über eine Passstraße ins Hinterland abzubiegen. Der Begriff Straße ist aber maßlos übertrieben. Es ist eine breite fürchterlich zerfahrene Piste, auf der sich die LKW im Schritttempo nach oben und ebenso langsam auch wieder herunter quälen. Danach wird die Straße zur zig Kilometer langen staubigen Baustelle. In der Mittagszeit zweigt eine kleine Zufahrt in ein Dorf am Straßenrand ab. Es gibt einen Kiosk, an dem wir Getränke, Cashews, Kekse und Obst kaufen können. Die Menschen sind aufgeschlossen und haben mit uns ihren Spaß beim selbst fotografieren und posen.

 

Gegen Mittag erreichen wir die große Stadt Mzuzu. An einem Kreisverkehr liegt eine Mall und auf dem Parkplatz steht auch unser Truck. Also suchen auch wir uns einen Parkplatz.  Selbst ernannte „Wächter“ bewachen unsere Motorräder. Neben einem Supermarkt, dessen Angebot sich durchaus mit unseren Supermärkten messen könnte, gibt es auch einen Imbiss, der mit seinem Pizza Angebot auf großen Tafeln wirbt. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen, und wir wissen gar nicht, was wir wählen sollen. Schließlich bestellen wir, aber wir ernten immer nur ein Kopfschütteln. Wir fragen, was es denn nun tatsächlich gibt. Chiken/Tomato wahlweise mit oder ohne Käse, ist die Antwort. Na immerhin fällt die Auswahl leichter. Und wir glauben es kaum, aber man kann mit Karte bezahlen. Nach und nach trudeln immer mehr von unserer Truppe ein und scharen sich um den kleinen Tisch.  Wir dürfen nicht zu lange in der lustigen Runde sitzen bleiben, denn wir haben erst die halbe Strecke hinter uns. Der Rest ist aber problemlos, die Straße top, der Himmel leicht bedeckt, und in den Bergen wird es immer kühler.

 

Auch die Zufahrt zum Camp, noch etwa 15 km über Lehmpiste, ist bis auf eine kleine, nasse Passage gut zu fahren. Ein Wasserloch ist mir etwas suspekt. Ich wate erstmal zu Fuß durch, trage dann Siggi auf sicheren Grund und hole dann das Motorrad nach. Weil mir das so gut gelungen ist, komme ich noch dem Wunsch eines Einzelnen nach und fahre auch die übergewichtige Q an Land. Der Rest ist Routine. Josef hat uns ein Zimmer im Haus des skurrilen alten Engländers, der die Farm und das Camp betreibt, vorbestellt. Einzig, dass unser Schlafzimmer eine mega steile Holzstiege höher im ersten Stock liegt, macht das Ganze etwas unkomfortabel. Wie immer verwöhnt uns Othmann aus der Bordküche und heute vom Grill mit leckerem Essen.

28.11.2024, Donnerstag, 265 km bis Chipata

Heute Morgen ist eine gewisse Nervosität spürbar. Alle wollen möglichst schnell das schöne Malawi hinter sich bringen. 280 km auf guten Straßen scheint gut machbar, wäre da nicht das Damokles Schwert der unterbrochenen Spritversorgung über uns. Der Engländer hat erzählt, wie es ihm vor ein paar Tagen erging: Endlich war eine Spritlieferung bei einer Tankstelle angekommen, da hatte sich die Nachricht schon wie ein Lauffeuer verbreitet. Als er dann dort ankam, war die Schlange endlos. Er hat dann im Auto übernachtet, um tatsächlich nach 20 Stunden den Tank füllen zu können. Für uns hat er sich am Morgen umgehört, und die Tankstelle in Jenda soll eine realistische Chance auf einen vollen Tank bieten. Das sind laut Navi 42 km, das Motorrad meldet eine Restreichweite von 50 km. Josef mit dem Truck verspricht, hinter uns zu bleiben. Das fällt ihm auch nicht schwer, denn nach den ersten 200 m ereilt ihn in einer extrem ausgewachsenen Kurve ein Federbruch. Zum Glück kann er noch akzeptabel weiter fahren, und eine letzte Reserve Blattfeder reist noch unter dem Truck mit. Die Nacht ist fast frei von Niederschlag gewesen, und dementsprechend lässt sich die Piste raus auf die M1 sehr gut fahren. Siggi ist vorsichtshalber im Truck mitgefahren und steigt erst an der Einmündung zur Hauptstraße zu mir um. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit ein paar Jungs, die im Schatten an der Straße sitzen. An den Lenkern ihrer kleinen Moppeds hängen kopfüber ein paar Hühner. Das Essen ist also gesichert.

Auf dem Weg nach Jenda ist auf der Gegenseite schon ein langer Stau zu sehen, natürlich vor einer Tankstelle. Dann kommt die Meru Tankstelle auf unserer Seite. Der große Teil unserer Gruppe steht schon dicht vor den Zapfsäulen in einer extra Mopped Schlange. Sie winken uns heran, und die anderen Wartenden bleiben geduldig. Die Geduld wird unterstütz von bewaffneten Polizisten mit Maschinenpistolen, die gleich neben den Kassierern ihre Posten bezogen haben. Man kann nur bar und glatte Beträge abrechnen. Das beschleunigt den ganzen Tankvorgang erheblich. Also einmal für 30.000 Kwacha bitte. Dafür gibt es knapp 12 Liter Benzin. Die Alternative wären noch die Schwarzhändler, erkennbar an ihren aufgestellten gelben Kanistern. Sie verlangen etwa das doppelte und dem Sprit kann man nicht immer trauen. Häufig wird er mit Wasser gestreckt.

Nach den kühlen Temperaturen in den Bergen holt uns bald die Hitze wieder ein. In Kasungo brauchen wir eine kleine Pause. Leider kommt man, dank der sich durch den ganzen Ort ziehenden Baustelle, nicht zu Bars oder Shops, oder diese bleiben auch gleich geschlossen. Am Ortsausgang finden wir doch noch eine menschenleere Tankstelle. Wir schauen nach, ob wenigstens der kleine Shop geöffnet ist. Und tatsächlich, eine junge Frau sitzt an der Kasse. Wir ordern ein paar Dosen Cola und fragen nach dem Bezahlen. Kwachas haben wir nicht mehr, Karten könnten gehen oder Dollar, die wir großzügig aufrunden würden. Aber nichts zu machen. Wenn es auch ein Geschäft für sie sein könnte, die Unsicherheit und Unwissenheit bezüglich des Umrechnungskurses und der Gültigkeit oder Echtheit der Scheine lässt sie nicht einwilligen. Erst ein Autofahrer, der zufällig vorbei kommt, hilft uns, in dem er ein paar Dollar gegen Kwacha wechselt. Jetzt kommen wir auch an unsere ersehnte Cola.

an der Tankstelle gab es Benzin. Aber trotzdem waren wir -bis auf 2 Autofahrer- die einzigen Gäste......
an der Tankstelle gab es Benzin. Aber trotzdem waren wir -bis auf 2 Autofahrer- die einzigen Gäste......

Schnell kommen wir vorwärts Richtung Sambia und der Grenzstation Mchinji Boarder Post, die als moderner One-Stop-Boarder-Post (Die gesamte Abfertigung findet in einem Gemeinschafts Zollamt statt.) angelegt ist. Das verspricht doch wohl eine schnelle Abfertigung. So gönnen wir uns noch in dem modernen Ort Mchinji eine Kaffee Pause. An der Grenze ist alles beeindruckend modern. Sogar WiFi steht zur Verfügung. Die Personenabfertigung geht noch recht zügig, doch dann kommen wieder die Fahrzeuge dran. Was der eine PC ausspuckt, wird zu einem anderen getragen, abgeschrieben und erneut eingegeben. Ab und zu stürzt das System ab….nach 4 Stunden rollen wir vom Zollhof. Und erreichen Chipata in pechschwarzer Nacht. Noch ein Stop am Geldautomaten - das Abheben klappt wenigstens wieder- und dann die holprige Strecke raus zum Mamarula Camp. Das Camp hatte ich schon vom letzten Mal nicht in bester Erinnerung, und wir bekommen den fast am weitesten abgelegenen Bungalow, aber das ist heute Abend egal. Anders für Josef. Der liegt schon unter dem Truck und baut die Hinterachse aus, um dann die Blattfeder zu tauschen. Dazwischen kurz ein Teller voll Essen im Stehen. Dann muss das Ganze wieder an seinen Platz – wiegt ja auch alles fast nichts bei so einem LKW.

Unsere Motorräder werden gut bewacht und die Grenzpolizisten präsentierne sich gern für ein Foto.

die Felder sind ordentlich bestellt und warten jetzt auf den Regen.
die Felder sind ordentlich bestellt und warten jetzt auf den Regen.