29.11.2024, Dienstag, 365 km bis Luangwa River

Der erste Fahrtag in Sambia. Nach der Rumpelstrecke zurück aus dem Camp nach Chipata, werden heute ohne Einschränkung die Tanks gefüllt. Die heutige Etappe ist mit 365 km angesetzt, aber die eigentliche Herausforderung für uns ist das Ziel. Heute ist freies Campen am Luangwa River geplant. Wie schon beschrieben, aus dem Zelt oder auch hinein zu krabbeln, ist (noch) nichts für Siggis Fuß. Sich mit den Krücken in die Büsche zu schlagen, erst Recht keine Option. Google und booking haben auch keine Vorschläge für uns. Aber wir haben ja Josef. Der erinnert sich, dass kurz vor dem geplanten Camp eine Zufahrt zu einem Camp mit Hütten und Restaurant abzweigt.
Unterwegs ist es recht frisch. Wie so oft, treffen sich ein paar von uns an einer Tankstelle. Dabei sorgt Siggis Fuß zum Gesprächsstoff. Die ebenso netten wie praktisch veranlagten Österreicher Dieter und Othmar erkunden sich, ob es Siggis Zehen nicht zu kalt wird. Und schwupps, wird ein Schlauchschal abgenommen, bekommt einen Knoten und wird gegen das Davonfliegen mit einem Klettband gesichert. Hey, Ihr seid die Helden!!! (P.S.: Siggi hat nicht mal gemeckert, dass es ein Harley Davidson-Schal war 😉)
Noch 2,5 Stunden bis zum Ziel, da brauchen wir vorher noch eine Pause. Da sonst nichts einladend aussieht, parken wir im Schatten unter den Bäumen, und schnell sind die ersten Kinder da. Manche schüchtern, die älteren neugierig. Wir machen ein paar Fotos und zeigen sie den Kindern. Damit ist der Bann gebrochen. Jetzt wollen alle mal aufs Bild und posen, allein oder mit den Freunden zusammen, um die Wette. Wie so oft sind an der Straße Stände mit Früchten aufgebaut. Auch hier stapeln sich Mangos auf Bänken und in Eimern. Wir fragen eine hinzugekommene Erwachsene, ob wir Mangos kaufen können, und werden gleich zum nächsten Stand geführt. Wir werden beraten, denn es gibt wohl unzählige Sorten, ähnlich unserer Apfelsorten. Manche sind transportfähiger, andere eher zum Kochen. Die einen überreif, die anderen müssen noch länger liegen. Schließlich nehmen wir fünf Früchte und bieten dafür 5 Kwacha/ca. 0,15 €. Die Frau bedankt sich, will uns aber unbedingt noch mehr Mangos mitgeben. Wir lehnen dankend ab, denn unsere Transportkapazität ist gering. Zurück bei den Kindern und Motorrädern schimpf eine Mutter mit ihren Kindern, dass sie uns nicht zu ihrem Stand geführt haben.


Am frühen Nachmittag erreichen wir die Luangwa Bridge. Und kurz danach entdecken wir die Zufahrt zum Luangwa Bridge Camp. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen die nächste Hütte zum Restaurant. Leider ist die Hütte auf Straßenniveau, das Restaurant liegt erhöht auf einer Terrasse und ist nur über eine steinige Rampe zu erreichen. Nicht unbedingt barrierefrei… Aber das Highlight ist die Aussicht vom Tisch aus über den Luangwa Fluss. Irgendwann donnert eine Horde Motorräder vorbei. Das muss die restliche Gruppe sein. Unsere Hütte selbst ist auch sehenswert. Die Fenster haben kein Glas, nur Fliegengitter und Gardinen. Ein kleiner Tischventilator ist Klimaanlagenersatz und das Bad teilen wir uns mit scheuen Geckos. Hauptsache, wir haben bestens geschlafen.

30.11.24, Mittwoch, 405 km bis Chirundu
Obwohl Sambia auf Grund seiner Bodenschätze und den hohen, überall sichtbaren Investitionen in die Infrastruktur, wirtschaftlich deutlich besser da steht, bewegen wir uns mit unserer Route in einem sichtbar ärmeren Teil des Landes. Wir kommen an vielen kleinen Dörfern vorbei. Drum herum sind Bauern mit Ochsen, die den Pflug ziehen, auf den Feldern beschäftigt. Das bleibt so, bis wir den Stadtrand von Lusaka erreichen. Hier wimmelt es auf der Straße von Autos, Motorrädern, Trucks und Baufahrzeugen. Viele mit chinesischer Beschriftung. In einem Geschäft entdecken wir sogar chinesische Beschriftungen an den Regalen. Der Bau der Seidenstraße lässt grüßen. Da wir das Verkehrschaos bei der Durchquerung der Hauptstadt schon kennen, versuchen wir unser Glück auf einer Umfahrungsroute, die ich im Navi habe. Der Verkehr ist nicht ganz so stark, dafür rollen wir permanent in 30er Zonen die gespickt sind mit Bumpern. Ich würde die Strecke nicht weiter empfehlen. Nach Lusaka nimmt der Verkehr bis auf die LKW wieder ab, die Landschaft wird offener und schöner.
So eine Notfallspur wie oben rechts an der Strecke runter zum Sambesi gibt es nur ganz selten in Afrika.
Noch eine gute Stunde steil die Hügel rauf und wieder runter. Entsprechend der Topografie und den Fähigkeiten von LKW Fahrern und Maschinen, sehen wir noch einige Trucks im Graben liegen. Entweder sind Reifen geplatzt, es haben die Bremsen versagt oder der Fahrer war beim Überholen oder der Kurvengeschwindigkeit zu optimistisch. In manchem Führerhaus mag man nicht gesessen haben. Schließlich erreichen wir Chirundu, den Grenzort nach Simbabwe. Von hier zweigt die Piste entlang des Sambesi zu unserem Camp bei der Gwabi Lodge ab. Die Piste ist sehr beansprucht und zerfahren. Zuletzt noch ein paar kleine Sandlöcher, dann geht es steil durch steinigen Untergrund zur Lodge am Ufer hinunter. Als Ersatz fürs Zelten (gegen einen 'kleinen' Aufpreis natürlich) erhalten wir den ersten, erreichbaren Bungalow. Der Blick über den Nebenarm des Lower Sambesi ist inklusive. Nachteil: Der Campground mit unserem Gepäck im Truck und der Essensausgabe liegt einige hundert Meter entfernt und ettliche Meter tiefer. Der Ablauf ist dann wie folgt: Bungalow besichtigen, Siggi absetzen. Mit Motorrad zum Truck, Tasche 1 und 2 holen, zurückfahren, die Taschen zum Bungalow, nochmal zum Truck, Tasche 3 hinter mir platzieren und wieder zurück. Nach einem Stündchen Pause mit Siggi zum Mopped humpeln, zum Truck fahren, und später im Dunkeln das Ganze zurück. Gute Nacht.


Am 01.12. haben wir Ruhetag. Aber weil wir mit auf die Bootssafari den Lower Sambesi hinauf wollen, heißt das trotzdem früh aufstehen. Fast die ganze Gruppe klettert schließlich in das Boot. Über den Kafue River erreichen wir nach halbstündiger Fahrt den Sambesi. Der Skipper fährt die besten Stellen an, um uns Hippo Familien, Krokodile und viele Vögel zu zeigen. Leider sehen wir keine Elefanten. Der restliche Tag bietet dann noch Zeit, uns am schönen Pool zu erholen.

02.12.2024, Freitag, 515 km bis Livingstone
Zum Start war gleich die schwierige, weil steile und geröllige Steigung und dazu noch eine enge Haarnadelkurve zu überwinden. Alleine war das kein Thema; aber mit Siggi als Passagier und der Sorge vor einem Umfaller, womöglich auf den Fuß, ließ uns die Alternative nehmen: Siggi in den Truck hieven und dort bis zur Hauptpiste mitfahren.
Kurz hinter Chirundu zweigt nach ein paar Kilometern die D500 nach links ab. Diese wird ab Fumbo zur D375 und erreicht ca. 95 km später wieder die Hauptroute, die T1, der wir bis Livingstone folgen. Die D500/D375 sind wir schon einmal gefahren und zählt zu meinen top Lieblingsstrecken in Afrika. Einsam, außer der dicken Q hat sich diesmal wohl niemand für die Strecke entscheiden können. Nicht mal Josef mit dem Truck nimmt sie, um das lädierte Fahrwerk bei gleichzeitiger ordentlicher Überladung zu schonen. Anfangs gibt es sogar noch ordentlichen Asphalt, der später löchrig wird und dann ganz aufhört. Die Naturstrecke bleibt im Trockenen aber gut fahrbar. Einzig ein paar zerfahrene Anstiege erfordern etwas Aufmerksamkeit. Ansonsten begeistert die Landschaft mit kleinen Dörfern, kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Hügeln, Tälern, Brücken. Im Ort Fumbo nutzen wir die einzige Möglichkeit, eine Pause einzulegen. Bei 38° dringend notwendig. Wir betreten einen kleinen Shop, in dem die nette Verkäuferin Kekse und Getränke anbietet. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gibt es öffentliche! Toiletten gegen Gebühr. Von 2 Klos für die Männer und 2 für die Frauen ist zwar erst ein Raum fertig, aber immerhin.


Als wir dann die T1 erreichen, haben wir immer noch nicht sehr abwechslungsreiche 300 km bis Livingstone vor uns. Ein Stopp an einem Kiosk und noch einer an einer Tankstelle sorgen dafür, dass wir heil in Livingstone ankommen. Gerade noch im Hellen erreichen wir die tolle „The Victoria Falls Waterfront“ Lodge direkt am Sambesi. Wir erwischen gerade noch das letzte Zimmer dank Josefs Reservierung. Das Gelände ist weitläufig, und unsere Q muss mal wieder für Transporte von Gepäck und uns, zwischen Truck und unserem Zimmer, herhalten. Der Sonnenuntergang ist grandios, und wir freuen uns schon auf den kommenden Ruhetag, für den bei uns aber ein weiterer Arztbesuch auf dem Programm steht.
03.12.24
Eine nette Hotelmitarbeiterin hat für uns einen Termin im Med Prof Hospital gemacht. Wir nehmen eine Taxe, und der Fahrer wartet in der glühenden Sonne auf uns, bis wir nach 2 Stunden fertig sind, um uns zurück zu bringen – macht hier 30 $ (und damit die Hälfte seines erforderlichen Tagesumsatzes). Der junge Arzt im Hospital untersucht gründlich und entscheidet, die Blasen aufzuschneiden, damit sie nicht zum Infektionsrisiko werden. Wir bekommen den Auftrag, die verbleibenden Wunden zwei Mal täglich zu salben und die Gaze Pads auszutauschen.
Zurück im Hotel machen wir es uns gemütlich und genießen den Komfort. Auf dem Weg zu unserem Zimmer führt der Weg über eine kleine Brücke. Von dort entdecken wir 10 Meter entfernt ein sich sonnendes Krokodil auf einer Art Staumauer. Kurz dahinter liegt die Terrasse unseres Zimmers. Nette Nachbarn hier…
04.12.24 Sonntag, 85 km zum Chobe Nationalpark in Botswana
Wir genießen noch einmal das vielfältige Frühstück mit Cappuccino und Ausblick auf den Sambesi. Dann kommt eine superkurze Etappe von 85 km. Wir dürfen den Sambesi überqueren, was einfach und wenig spannend mit neuen Brücke geworden ist. Bei unserer letzten Tour mussten wir uns noch mit Pontons mit Antrieb auf die anderen Seite übersetzen lassen. Auch die Grenzprozedur nach Botswana ist überschaubar. Gegen 12:00 Uhr sind wir bereits an der nächsten Lodge in Kasane. Die Zimmer sind noch nicht einmal bezugsfertig, als wir in der Thebe River Lodge ankommen.


Trotzdem beeilen wir uns, denn bereits um 14:00 Uhr sitzen wir alle in zwei offenen Toyota Safarifahrzeugen, die uns in den Chobe NP bringen. Unser Fahrer kennt sich aus, ist witzig und findet immer wieder neue fotogene Stellen mit Sicht auf Tiere und in die tolle Landschaft, die sich langsam im Sonnenuntergang verabschiedet. Highlight ist das Treffen mit 2 Löwen, die sich bei ihren Verdauungsschläfchen nicht stören lassen. trotz des geringen Abstands von nur 1-2 m zu den doch nicht ganz leisen Touris, Als wir auf dem Rückweg noch Hyänen beim Speisen entdecken, wird es so spät, dass für uns noch einmal das Tor an der Parkausfahrt geöffnet werden muss.