09.12.24, Montag, 332 km bis Gobabis

Mein Fast Assistance - Wolfi im Anflug, die anderen paddeln hinterher - aber wir mussten niemanden zurück lassen ;-)

Tja, der Sand hat sich nicht über Nacht in eine neue Piste verwandelt, aber wo man reingekommen ist, kommt man auch wieder raus. Für Siggi ist schon ein Platz im Pickup der Lodge reserviert. Außerdem wollen sie uns eine andere Strecke zur Straße zeigen, die besser sein soll. Nun ja, der sandigste Abschnitt bleibt trotzdem übrig. Und um 7:45 h ist es schon 32° C warm. Nach einer Kurve ist der Pickup dann voraus verschwunden, ich schwimme im Sand aus der Spur und stehe im sandigen Gebüsch 3 Meter neben der Straße. Stehen ist schon richtig, denn Umfallen kann die Q jetzt nicht – so tief, wie sie im Sand steckt. Ein Rückwärtsgang zur Unterstützung wäre jetzt nicht schlecht, haben wir aber nicht. Nach 20 Minuten buddeln mit den Händen, rückwärts ziehen und drücken, habe ich sie wieder in der Spur. Ich komme ein paar hundert Meter mit viel Gas vorwärts, dann liege ich wieder im Sand. Jetzt kommen aber die Sandprofis zum Aufrichten zur Hilfe. Langsam bin auch platt. Nächster Anlauf bis ca. 100 Meter vor dem rettenden Untergrund, dann liege ich zur Abwechslung mal so blöd unter dem Mopped, dass ich mich nicht allein befreien kann. Und der Motor läuft im Liegen weiter. Seinen Unmut darüber bringt er noch die nächsten Kilometer mit dicker blauer Öl Wolke zum Ausdruck. Aber geschafft. Jetzt noch tanken und für Fahrtwind sorgen, damit auch ich etwas Abkühlung bekomme.

 

230 Kilometer Tagesetappe sind überschaubar, auch wenn noch die Grenze zu bewältigen ist. Inzwischen sind wir hier aber in der südafrikanischen Zollunion und die Fahrzeug Verzollung fällt weg. Für die Personen Abfertigung sind noch genügend Dokumente auszufüllen. Da wir bei den Letzten unserer Gruppe sind, bekommen wir von den schon Erfahrenen Tipps, zu welchem Schalter zuerst und mit welchem Formular dann zum nächsten Schalter usw., bis wir dann wieder glücklich auf der Straße stehen. An der Ausfahrt vom Zollhof wird noch der Laufzettel kontrolliert. Dann möchte der Wachtmeister noch die Fahrzeugpapiere sehen. Aber nachdem ich mich so umständlich anstelle, winkt er schließlich ab, und uns durch 😉.

Fotoshooting für die diesjährige Weihnachtspost vor entsprechender Kulisse, muss natürlich auch sein.
Fotoshooting für die diesjährige Weihnachtspost vor entsprechender Kulisse, muss natürlich auch sein.

Die Gruppe will ins Camp vor Gobabis. Wir wollen nach Gobabis, nach einer Klinik Ausschau halten, am besten noch untersucht werden und dann in die schöne Xais Quad Lodge, die wir von 2019 kennen. In der Klinik werden wir gleich begrüßt und geklärt, ob der diensthabende Arzt Zeit für uns hat. Hat er, und nachdem Siggis Fuß geröntgt und untersucht wurde bekommen wir: 1. eine Überweisung zum Kollegen und Facharzt der Orthopädie in Windhoek, im Lady Pohamba Hospital und 2. einen sogenannten Moonboot, der an Stelle eines Gips den Fuß stabilisieren und schützen soll. Danach fahren wir zu unserer Lodge und genießen die Verwöhn-Atmosphäre.  

 

 

10.12.24, Dienstag - Feiertag in Namibia, über Windhoek zum Lake Oanob, 400 km

Heute ist Feiertag in Namibia, Human Right Day. Niemand scheint zu arbeiten, und die Präsidentin, Frau Nandi-Ndaitwah, kommt nach Gobabis. Wir trennen uns nach dem Frühstück schweren Herzens von diesem schönen Fleckchen, und fahren nochmal zurück in die Stadt. Erstens, um im Hospital den Arzttermin in Windhoek halbwegs zeitlich abzuklären, schließlich ist ja Feiertag. Und außerdem brauchen wir einen Geldautomaten. Im Hospital sagt man uns, wir sollen gleich in die Klinik zur Emergency Entry fahren, Dr. Spangenberg wird kommen. Na dann. Wir machen uns auf den Weg. Gegen Mittag ist Windhoek erreicht und das super moderne LPH (Lady Pohamba Hospital) schnell gefunden. Wir fragen, mit unserer Überweisung in der Hand, nach Dr. Spangenberg. Die Damen telefonieren und schließlich teilt man uns mit, er brauche noch Zeit, bis er hier ist. Es würde ca 16:30 Uhr. Na, da haben wir ja noch Zeit. Wir besuchen die Mall neben dem Hospital, kaufen eine namibische Sim-Karte fürs Handy, essen etwas bei KFC und trinken Kaffee bei Slowtown Roaster.

 

Nach kurzem Warten im Hospital erscheint der Doc entspannt mit seiner kleinen Tochter. Wir besprechen die Lage. Er hält 2 Optionen für denkbar: Entweder gleich operieren und eine Platte einsetzen oder durchhalten und die OP zuhause durchführen. Auf jeden Fall am nächsten Morgen zum  CT kommen. Dann will er das Ergebnis mit seinem Kollegen beraten und mit uns besprechen. Also, das war es für heute.

 

Wir machen uns auf ins 90 km entfernte Rehoboth, wo unsere Gruppe am Lake Oanob übernachtet. Unterwegs bildet sich bei Siggi schon der Entschluss: Wenn die Chance besteht, dann die OP machen lassen. Das Krankenhaus ist Vertrauen erweckend, und langsam reicht es ihr auf den anstrengenden Krücken. Das Gelände am Lake Oanob erreicht man über eine 10 km lange Schotterpiste. Es ist weitläufig. Die schönen Campplätze und Hütten liegen verstreut in Sichtweite auseinander im felsigen Gelände über dem See. Ohne Mopped Shuttle geht hier mal wieder nichts.

 

 

11.12.2024, Mittwoch, ca. 400 km bis Marienthal

Beim Frühstück verabschieden wir uns von der Gruppe, vielleicht bis Kapstadt, je nachdem wie es mit der OP klappt. Unsere schon gebuchte Unterkunft in Sesriem geben wir an Mitfahrer ab. Dann aber los und die 90 km wieder zurück zum Hospital. Aufnahme und CT gehen zügig, wir müssen nur noch auf die Expertise des Docs warten. Der hat eigentlich seinen OP-Tag, erscheint aber im grünen Kittel zwischendurch und erklärt uns, dass er sich mit dem Kollegen beraten hat und sie es für besser halten, jetzt nicht noch Komplikationen zu riskieren. Schlimmer könnte es auch nicht werden. Am besten die OP in Deutschland durchführen lassen. Aber über den erhaltenen Moonboot schüttelt er den Kopf. Da müssen passendere besorgt werden und dann auch gleich handlichere Krücken. Er verabschiedet sich mit einem entsprechenden Rezept und wünscht uns noch einen schönen Urlaub. Wir besorgen in einem Orthopädie Geschäft die neue Ausstattung und finden uns in die neue Wendung. Bei einem Kaffee planen wir die nächste Etappe. Immerhin bietet der Moonboot dem lädierten Fuß deutlich mehr Schutz als bisher. Zum Duschen und im Bett kann er ganz entfernt werden, und die neuen Krücken passen auch besser auf das Gepäck. Als Tagesziel wählen wir Mariental aus. Davor entdecken wir eine nagelneue Lodge, das Flying Oystrich Guesthouse. Das Außengelände ist noch in Arbeit. Wir bekommen ein vergleichsweise großes Häuschen und sehen beim Abendessen dem Sonnenuntergang und den durchziehenden Sturmböen zu. What a day.

Mariental erreichen wir, bevor der Sandsturm richtig loslegt. Im Flying Oystrich Guesthouse lässt es sich dann gut aushalten.

 

 

12.12.2024, Donnerstag, 254 km bis Helmeringhausen

Nach dem jetzt doch keine OP stattfindet, können wir wieder neu planen. Und mit dem Moonboot als Motorradstiefel können wir jetzt doch noch etwas von unseren Lieblingsstrecken in Namibia und Südafrika einplanen. Natürlich nicht die ganz harten, das wäre dann doch zu gefährlich. Aber wir kennen die Landschaft ja schon ein klein wenig und können einigermaßen einschätzen, was wir uns zutrauen können und was nicht. Also planen wir nach Helmeringhausen zu fahren und dort im Helmeringhausen Hotel (dem einzigen…) zu übernachten. Von dort können wir mit zwei Optionen Klein Aus erreichen und dort auf unsere Gruppe treffen. 

Bis Maltahöhe auf bestem Asphalt immer geradeaus
Bis Maltahöhe auf bestem Asphalt immer geradeaus
Dann gibt es endlich wieder Piste. Hier von bester Qualität.
Dann gibt es endlich wieder Piste. Hier von bester Qualität.
Die Strecke windet sich durch die Berge.
Die Strecke windet sich durch die Berge.
So sieht es aus, wenn der Grader alles frisch planiert hat, der Untergrund aber auch noch ein bißchen locker ist.
So sieht es aus, wenn der Grader alles frisch planiert hat, der Untergrund aber auch noch ein bißchen locker ist.
Und schon laufen wir auf den Grader auf. Die Grader Fahrer sind oft monatelang unterwegs, ziehen ihren Bauwagen hinter sich her und bearbeiten die Strecke Abschnitt für Abschnitt. Dazu ist dann ein mehrfaches Hin und Her notwendig.
Und schon laufen wir auf den Grader auf. Die Grader Fahrer sind oft monatelang unterwegs, ziehen ihren Bauwagen hinter sich her und bearbeiten die Strecke Abschnitt für Abschnitt. Dazu ist dann ein mehrfaches Hin und Her notwendig.

Wir füllen noch den Tank in Mariental und das Portemonaie am ATM , dann geht es über die C19, zunächst noch auf Aspahlt, nach Maltahöhe, der letzten Versorgungschance bis Helmeringhausen. Ab hier wird’s staubig für die letzten 140 km, bis zum 'World Most Famous Applecake' in Helmeringhausen. Und den gönnen wir uns erstmal, nachdem wir unsere Übernachtung geklärt haben. Die Klimatisierung bei 40°C funktioniert wieder nach bekanntem Muster: Kühler Pool mit grünem Wasser und feuchtes Bettlaken zum zudecken. Dazu die Fenster offen lassen, und es passt. Bei den Mahlzeiten werden wir unglaublich verwöhnt und sind glücklich, dass wir die Route nehmen konnten. 

Helmeringhausen Hotel, eine Oase und ein kleines Juwel in der kargen Umgebung.  Wir sind glücklich, diese Orte auf zwei Rädern erreicht zu haben, nachdem das nicht immer so danach aus sah.

 

 

13.12.24, Freitag, 222 km bis Klein Aus

Beim Frühstück empfiehlt uns Familie Basler für die Fortsetzung der Tour weiter die C14 über Bethanie zu nehmen. Die direkte Piste über die C13 ist zwar Siggis absolute Lieblingsstrecke in Namibia aufgrund der tollen Farbpalette in der Landschaft, aber da wir die C13 kennen und wissen, dass es auch früher schon anspruchsvollere Abschnitte gab, hören wir auf den Rat. Später hören wir wieder andere Meinungen, aber so ist das immer mit der Einschätzung einer Strecke… Wir haben jedenfalls wieder etwas Neues kennengelernt. Auch wenn die C13 die eindeutig schönere Strecke ist.

das Ende der C13 kurz vor der Einbiegung auf die aspahltierte B4
das Ende der C13 kurz vor der Einbiegung auf die aspahltierte B4
wir nähern uns der Wüste, daher entstehen hier die ersten Hitzespiegelungen.
wir nähern uns der Wüste, daher entstehen hier die ersten Hitzespiegelungen.

In Klein Aus steuern wir das alte Bahnhofs Hotel an. Es ist preislich deutlich günstiger als die Lodge und zum Truck müssen wir so oder so das Mopped nehmen und noch ein bisschen im moderaten Sand spielen. In dem Hotel bekommen wir sogar ein richtig barrierefrei eingerichtetes Zimmer. Dann lassen wir uns auf der Terrasse im Westernstil einen kühlen Rock Shandy schmecken. Kaum haben wir Platz genommen, rollen unten die ersten Moppeds unserer Gruppe vorbei zur Tankstelle. Als sie unser Mopped entdecken, herrscht erstmal großes Hallo, und die nächsten Rock Shandys werden zur Begrüßung geordert. Ein Teil der Gruppe will noch weiter bis Lüderitz und erst anschließend zurück. Am Abend treffen wir uns alle am Truck bei unserem Koch Othman. Wir sitzen bis Sonnenuntergang und haben dann eine kurze Rückfahrt unter einem fantastischem Sternenhimmel.

 

14.12.2024, Samstag, 288 km bis Fish River Canyon /Canyon Road House

Letzte Kaffeerast vor dem Fish River: Naute Kristal Destillery.
Letzte Kaffeerast vor dem Fish River: Naute Kristal Destillery.
Technik aus Markdorf am Bodensee lässt grüßen ;-)
Technik aus Markdorf am Bodensee lässt grüßen ;-)

Über die topp ausgebaute B4 geht es schnell bis Seeheim. Kurz danach biegen wir auf die C12 Richtung Fish River Canyon und dem Canyon Road House das für die kommende Nacht das Camp bzw. unsere Unterkunft ist. Am Naute Staudamm machen wir noch einen Stopp bei der Naute Kristall Destillery. Das Schnaps Angebot bestaunen wir, Kaffee und Kuchen genießen wir. So gestärkt bringen wir die letzten 100 km leicht hinter uns. Die Piste ist in gutem Zustand und ab 80 km/h fast so komfortabel wie Asphalt.

 

Das Road House muss man einfach erlebt haben, egal wieviel es kostet. Eine kleine Oase und Museum zugleich. Komfortable Zimmer, leckeres Essen, ein Pool mit klarem Wasser und das ganze Ambiente zwischen rostigen alten Autos, Maschinen und Geräten, dazwischen Tische, Stühle und die Bar, laden zum Relaxen ein. So bleiben wir auch und planen den Besuch beim View Point des Fish River Canyons erst für den nächsten Morgen ein. (Tipp: Im Zweifel doch lieber am Nachmittag wegen der besseren Lichtverhältnisse.)

15.12.24, Sonntag, 320 km bis Goegap

Letzter Tag in Namibia, das Beste zuletzt. Über die D601 gelangen wir zum Abzweig Richtung View Point. Ab dem Entrance Gate (150 NAD p.P. und nur in bar bezahlbar!) wird die Piste heftig. Was hier nicht fest montiert ist, ist hinterher nicht mehr dran. Am View Point genießen wir den Ausblick auf den zweit größten Canyon der Welt. Aber beim ersten Mal am späten Nachmittag entstanden durch den Schatten viel mehr Strukturen.

Die Wellblechpiste zurück und nach rechts auf die C324 / C10 Richtung Ais Ais. Die Landschaft präsentiert sich in wunderbaren Farben, ein paar Zebras sind auch zu sehen, und die Straße wird auch nicht langweilig. Im ständigen Auf und Ab windet sie sich durch die fast unbewachsenen Felsformationen. Manchmal ist Aufmerksamkeit geboten, wenn sich wieder einmal eine Sandzunge in die Straße rein zieht. Dann kommt nochmal eine Steigerung. Der Abzweig nach rechts, Richtung Oranje River nach Aussenkehr. Die farbige, felsige Wüstenlandschaft begleitet uns noch einige Kilometer, dann tut sich vor uns das Tal des Oranje River auf. Ein seit Tagen nicht mehr gesehenes, üppig unwirkliches Grün tritt immer mehr in der Vordergrund. Von Aussenkehr bis zum Grenzübergang Noordoewer / Violsdrift liegen nun rechter Hand die Rebanbauflächen, links der Piste beginnt gleich wieder die Wüste. Angebaut werden hier auf beiden Seiten des Flusses Tafeltrauben. Diese werden frisch, in Containern, Richtung Küste transportiert oder gleich hier auf riesigen Trockengestellen an Sonne und Luft zu Rosinen getrocknet.

Recht sandiger aber gut zu fahrender Abschnitt der C37
Recht sandiger aber gut zu fahrender Abschnitt der C37
Ein Köcherbaum; kein Baum, sondern eine Sukkulentenart.
Ein Köcherbaum; kein Baum, sondern eine Sukkulentenart.
Im Talgrund lässt sich schon das grüne Band des Oranje erkennen.
Im Talgrund lässt sich schon das grüne Band des Oranje erkennen.
Entlang des Oranje River ziehen sich die Anbauflächen für Weintrauben.
Entlang des Oranje River ziehen sich die Anbauflächen für Weintrauben.
wir sehen zum ersten Mal, wie Rosinen entstehen.
wir sehen zum ersten Mal, wie Rosinen entstehen.
Der Oranje River. Auf der anderen Seite beginnt Südafrika. Im Vordergrund die Hütten der Farmarbeiter.
Der Oranje River. Auf der anderen Seite beginnt Südafrika. Im Vordergrund die Hütten der Farmarbeiter.
Weinbeeren reifen zu Rosinen/Sultaninen
Weinbeeren reifen zu Rosinen/Sultaninen